Mit dem Schild »Schön da ist ihr da seid! Es klingt gut!« heißen Die Fantastischen Vier ein achzig Mann großes russisches Sinfonieorchester willkommenm. Als ich die Halle des Römerkastells, vor welcher ein schwarzer Heimspiel-Van parkt, erreiche, steht die Luft schon. Ich begrüße Smudo und suche mir einen freien Platz.

Es geht los - Das erste Lied, dem ich zuhöre,beginnt mit einem Intro des Orchesters, da-
nach setzt der Beat ein und beginnt alles zu über-
tönen. Ich sehe wie ein Percussionist sich ärgert, weil er sein Instrument nicht mehr hören kann. Die Fantas beginnen zu rappen, tonlos wie es scheint - auch sie sind nirgendwo zu hören, und ich bekomme einen Schreck, da ich nicht einmal den Song erken-
ne. Smudo ist meine Rettung: er reicht mir einen Monitor mit Kopfhörern und schon ändert sich der Sound. Ich höre die Stimmen, melancholische Geigen im Refrain und bin völlig fasziniert von dem neuen Arrangement des Songs Mehr nehmen.
Mir fällt nun auf, dass aufgrund der Probensitu-
ation alle 80 Musiker mit Kopfhörern ausgestattet sind. Das In-Ear-Monitoring hat den Vorteil, dass jeder die Stimmen hören kann, die er wollte und die Band auf Distanz gut kommunizieren kann. Nach jahrelanger Banderfahrung wissen Die Fantastischen Vier natürlich auch welchem Tontechniker sie das zumuten können.

Mein Monitor ist beschriftet mit dem Namen »Walter« - er gehört dem Mann, der zuvor das Orch-
ester dirigierte. Ich hab das Gefühl jedes einzel-
ne Instrument zu hören und selbst der Percussio-
nist erklingt über die Kopfhörer. Nur die Fantas sind etwas leiser im Hintergrund. Grund für mich, die Texte nur in meinen Kopf mit zu singen, bis ich mehr Stimme auf den Monitor bekomme.
Nach mindestens drei Durchläufen wird das nächste Lied angespielt. Und wie es sich für eine Probe gehört, geht auch mal etwas schief. Text verges-
sen, Einsatz verpasst und bei Pipis und Popos scheint der Übergang zu Killing in the name of von Rage Against the machine noch nicht richtig zu funktionieren, sodass einige Takte gestrichen werden sollen. Zeit für eine Pause.

Smudo führt mich herum und erklärt ein wenig. Alle Lieder die heute erarbeitet werden, werden ohne Dirigenten geprobt. Ab Dienstag soll jemand neues den Job übernehmen. Er zeigt mir den gemeinsamen Kalender der Fantas. Wie zu erwarten, war dieser natürlich voll ausgebucht. Smudo liest mir die Setlist in alter Manier vor: viel zu schnell! Selbst wenn ich wollte, könnte ich die Namen der Titel nicht wiedergeben. Auch aufgrund der beacht-
lichen Länge. Über 2,5h Programm ist geplant. Das erfordert vor allem Kondition und Fitness, sodass alle Vier im Training sind und darauf achten nicht krank zu werden.

Die Instrumenten Besetzung für das Jubiläumskon-
zert unterscheidet sich doch gravierend von der Besetzung des Unplugged Konzertes. So wird zum Zwanzigsten nicht nur ein größeres Orchester auf-
gefahren, sondern auch vier weibliche und zwei männliche Background-Sänger, die die Gesangsstel-
len unterstützen. Zusätzlich macht ein sechs-stimmiger Bläsersatz vor allem bei Liedern, die abgehen, wie Was geht, Populär oder Le Smou ordentlich Druck, was auch bei den Fantas für Spaß und Bewegung sorgt.

In der letzten Pause des Tages wird ein reichhal-
tiges Buffet zum Abendbrot aufgetafelt. Es gab so-
gar Melonen und Traubenzucker. Danach kehren die Musiker gestärkt in die Halle zurück, um zum Ab-
schluss Die Da zu proben. Ausgerechchnet DER Song, von dem sich die Fantas in zahlreichen In-
terviews distanziert haben. Aber natürlich auch ein Song, der bei einem zwanzigjährigen Jubiläum für Fans nicht fehlen darf. War es der Traubenzu-
cker, der den Musikern bei dem Lied soviel Energie verlieh, oder war es doch das neu geschriebene Ar-
rangement von Lilo Scrimali? Am Ende bittet Michi die Dolmetscherin dem Orchester zu übersetzen, dass es einer ihrer erfolgreichsten Songs ist, und noch nie so gut klang. Es wird sogar füreinander applaudiert und zufrieden werden die Instrumente für heute weggelegt.

Die Probe ist schon im vollem Gang als ich am nächsten Tag erneut zu Besuch komme. Ebenfalls zu Gast ist heute ein Fernsehteam vom SWR. Auch der neue Dirigent, der nun da ist, sorgt für Arbeit. Nachdem die Noten für das Heimspiel von mehreren Personen arrangiert wurden, müssen die Partituren in einem einheitlichen Layout geschrieben sein. Desweiteren soll unter anderem durch größere Ab-
stände für bessere Lesbarkeit gesorgt werden. Das klingt nach weniger Arbeit, als es ist. Aber eine Partitur mit allen Instrumenten-Stimmen umfasst pro Lied ungefähr vierzehn bis zwanzig Seiten. Daher ist auch dafür vor Ort ein Arbeitsplatz eingerichtet, an welchem ein junger Mann Noten eintippt und druckt.

In der Mittagspause geben Thomas und Andy für den SWR ein Interview. Laut Andy angenehme Bericht-
erstatter, da diese, wenn sie nach den Anfängen fragen, auch den wirklichen Beginn meinen und nicht den Erfolg mit »Die Da«. Und als Krieger geprobt wird, lässt sich das Fernsehteam einen Mitschnitt nicht entgehen. Während dessen sitzt Smudo an seinem Laptop und regelt ein bisschen »Büro-Kram«. Gegen halb acht packt das Orchester wieder zusammen, doch für die Vier geht es noch weiter.

Sie investieren viel Aufwand und Zeit, damit das Jubiläums-Konzert zum 20jährigen Geburtstag ein absoluter Efolg wird. Und schon jetzt ist klar, dass dieser Tag ein Höhepunkt der Bandgeschichte sein wird. Das lässt sogar Profis, wie Die Fan-
tastischen Vier nicht ruhig schlafen. Auf meine Frage, ob er aufgeregt sei, antwortet Smudo:
»Guck doch mal, wie ich aussehe!«

Na dann: Alles Gute!